Umsatzsteuer, Vorsteuer und die Kleinunternehmerregelung

Unternehmen müssen Ihre Lieferungen und Leistungen grundsätzlich mit (derzeit) 19% bzw. 7% Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Bekommen sie eine Rechnung von einem anderen Unternehmen, dürfen sie die ausgewiesene Umsatzsteuer als sog. Vorsteuer „ziehen“. Das bedeutet, dass Unternehmen die gezahlte Umsatzsteuer (= Vorsteuer) vom Finanzamt erstattet bzw. verrechnet bekommen. Wenn also Geschäfte zwischen zwei Unternehmern stattfinden, wirkt sich die Umsatzsteuer insgesamt nicht aus – der eine zahlt sie und erhält sie vom Finanzamt zurück, der andere bekommt sie von seinem Kunden und führt sie an das Finanzamt ab.

Anders sieht es aus, wenn Lieferungen und Leistungen einer Privatperson (kein Unternehmer) in Rechnung gestellt werden. Diese muss die Umsatzsteuer natürlich genauso an den Leistenden zahlen, kann aber nicht die Rückzahlung der Vorsteuer vom Finanzamt verlangen. Der Endverbraucher ist damit als einziger tatsächlich von der Umsatzsteuer belastet.

Die Umsatzsteuer ist sehr komplex, deswegen wurde 1980 die sog. „Kleinunternehmerregelung“ ins Leben gerufen. Bei Vorliegen der Voraussetzungen dürfen Lieferungen und Leistungen ohne Umsatzsteuer angeboten werden. Ein Kleinunternehmer ist, wer im vorangegangenen Kalenderjahr bis zu € 17.500,00 und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich höchstens € 50.000,00 Umsatz hat. Wenn die Voraussetzungen vorliegen, gilt die Kleinunternehmerregelung „automatisch“, d. h. kraft Gesetzes.

Wenn jemand Kleinunternehmer ist, bedeutet das auch, dass die Vorsteuer aus dem Ankauf von Lieferungen und Leistungen nicht mehr gezogen werden darf. Wenn größere Investitionen getätigt werden, kann die Kleinunternehmerregelung daher aufgrund hoher Vorsteuerbeträge ungünstig sein. Tritt dieser Fall ein, sollte ggf. auf die Anwendung der Regelung verzichtet werden. Der Kleinunternehmer wird dann wie ein „normaler“ Unternehmer behandelt und muss seinen Kunden auch die Umsatzsteuer in Rechnung stellen.